Das CJD - Die Chancengeber CJD Internat Braunschweig

Die ersten 100 Tage oder 25 Jahre?

02.11.2018 CJD Salzgitter « zur Übersicht

Welches Datum kann man nun als besonders entscheidend für die Beziehung zwischen Birgit Stieghan und dem CJD Salzgitter betrachten? 1993, 2001 oder 2018? Denn im Jahr 2001 kam Birgit Stieghan nach ihrem Studium der Sozialpädagogik ins Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) zum Standort Braunschweig und engagierte sich dort für das Internat –zuletzt als Leitung Wohnbereich.  Mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt sie sich beruflich bereits seit 1993. Damals begann sie ihre Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin. 

Auf jeden Fall liegen aber dank ihres Starts im August 2018 nun die ersten 100 Tage als neue Fachbereichsleitung Arbeit und Beschäftigung / Wohnen und Begleiten im CJD Salzgitter hinter der geborenen Braunschweigerin. Eine gute Gelegenheit für ein erstes Resümee mit Ausblick.

Etwas ganz Anderes –so kann man Ihre neue Position im CJD Salzgitter bezeichnen. Schließlich haben Sie sich seit Ihrer Ausbildung vor allem für die Belange von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Und nun für erwachsene Menschen mit Behinderung im CJD Salzgitter….

Tatsächlich begann ich vor 25 Jahren meine Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin, weil ich gerne vor allem mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollte. Und das war auch ein Grund dafür, warum ich mich nach meinem Studium im Internat des CJD Braunschweig bewarb. Doch das Feld der Pädagogik ist unglaublich vielfältig. Schlussendlich geht es dabei für mich schon immer um eine wertschätzende Haltung, die wir jedem Einzelnen entgegen bringen. Ganz egal, ob es nun ein Schüler im Internat des CJD Braunschweig oder ein Teilnehmer im CJD Salzgitter ist. Mit den CJD-Losungen  „Keiner darf verloren gehen“ oder „Nicht für alle das Gleiche sondern für jeden das Beste“  und wie sie im CJD mit Leben gefüllt werden, damit  konnte ich mich schon immer identifizieren.

Trotzdem beantwortet das nicht die Frage, warum Sie sich nach 17 Jahren Internat und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für die neue Position als Fachbereichsleitung Arbeit und Beschäftigung / Wohnen und Begleiten im CJD Salzgitter entschieden.

Wichtig war es mir schon immer, über den Tellerrand hinaus zu schauen und mir neue Herausforderungen zu suchen: Etwa durch meine Ausbildung als Fachkraft für tiergestützte Intervention bis 2006. Danach habe ich mich sowohl praktisch als auch als  Referentin in diesem Feld engagiert. Und als mein Pferd Keoma dann 2014 in Rente ging, nutzte ich die frei gewordene Zeit für eine Ausbildung als Systemische Familienberaterin. Gerade im Bereich Gesprächsführung profitiere ich davon auch im CJD Salzgitter.

Welche Parallelen gibt es zu ihrem vorherigen Aufgabenfeldern?

 Schon immer habe ich gerne in Netzwerken und Gremien gearbeitet, Strukturen gestaltet und verwaltet. Sowohl zuvor als Leitung im Wohnbereich als auch in meiner jetzigen Position liegt darauf natürlich ein wesentlicher  Schwerpunkt –auch wenn das Umfeld natürlich ein neues ist. Das Kollegium im CJD Salzgitter konnte mir dabei den Einstieg mit ihrer Unterstützung enorm erleichtern. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche Herausforderungen sehen Sie für das CJD Salzgitter? Welche Visionen haben Sie?

Ganz klar muss man hier die Umsetzung des Bundesteilhabegesetztes (BTHG) nennen. Dieses fordert zu Recht ein selbstbestimmtes Leben und mehr gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderung. Mehr noch als zu Zeiten unserer Gründung 1967 sind wir dabei Vermittler: Gemeinsam mit unseren Partnern –vor allem der Stadt Salzgitter und der Region-  gilt es, Arbeitsplätze für unsere Teilnehmenden nachhaltig erfolgreich zu erschließen. Davon profitieren auch unsere Partner, können sie sich doch in einem inklusiven Umfeld erfolgreich positionieren. Ein gutes Beispiel ist das Bistro SOLEmare im Thermalbad in Salzgitter. Im Team arbeiten dort Beschäftigte unserer Werkstätten und haben täglich Kontakt mit den Kunden. Ganz wie es auf dem ersten Arbeitsmarkt der Fall wäre.

Auch im Bereich Wohnen und Begleiten steigt der Bedarf. Das fängt mit unseren Betreuten an. Diese benötigen mittlerweile andere Formen der Unterstützung und Begleitung.  Unsere Angebote für Senioren müssen sich also  schon deshalb erweitern. Aber auch der Bedarf an Ambulanten Wohnformen steigt ständig und verlangt vermehrt noch individuellere und auf die einzelnen Menschen zugeschnittene Angebote.

Dabei sind wir aktive Gestalter sowohl politischer Entscheidungen als auch gesellschaftlicher Prozesse und nicht nur deren Umsetzer. Schließlich kennen wir durch unseren Alltag die praktischen Herausforderungen in  der Arbeit mit Menschen mit Behinderung und müssen diesen Blick weiterhin im Sinne aller Beteiligten einbringen.